Pressespiegel
Jazzthetik (01/09) "Max Hacker Dekonstruiert" von Angela Ballhorn
Von der Arbeitsweise her nähert
sich Max Hacker, der seinen Namen mit der Debüt-CD Who the Heck Is Max
Hacker? einführte, der Minimal Music. So findet man neben reinem Quartett-Jazz
auch Stücke, für die er Fragmente der Ausgangskompositionen übernommen
und diese repetitiv aneinandergereiht hat. Manchmal ist das Ausgangsmaterial
noch erkennbar, manchmal ist nur eine Bassfigur oder ein Melodiefetzen in
die mit Streichern verarbeiteten Dekonstruktionen gerutscht.
Zusammenhänge
»Den Begriff der ›Dekonstruktion‹ gibt es in verschiedenen
Kunstrichtungen«, sagt Hacker. »Ich habe etwas gesucht, das beschreibt,
was ich mache. Außerdem ist der Titel griffig. Das ist wichtiger, als
ich zuerst annahm. Für meine erste CD wollte ich den Titel Who the Heck
Is Max Hacker? auf gar keinen Fall haben, aber nach ein paar Tagen konnte
ich mich mit dem Titel anfreunden. Heute bin ich für den Namen dankbar,
weil man sich erinnert. Ähnlich ist es mit Deconstructing.«
Wichtiger noch ist, dass es genau beschreibt, was gemacht wird. In den beiden
Fassungen des Stückes »Twin Palms« ist das Arbeitsprinzip
gut zu erkennen. Zunächst stellt Hacker mit seinem leichtfüßig
agierenden Quartett - Tino Derado am Klavier, Paul Imm am Bass und Heinrich
Köbberling am Schlagzeug - die Komposition vor, die dann in der Dekonstruktions-Version
von den StreicherInnen Meta Hüper (viol), Eve Wickert (viola) und Ulf
Borgwardt (cello) bearbeitet wird. Deutlich ist zu hören, wie die 1:1
übernommene Melodielinie nach Art von Minimalisten wie Steve Reich oder
Philip Glass in ständiger Wiederholung, langsam und in kleinen Schritten,
Veränderungen unterworfen wird.
»Manchmal ist der Zusammenhang schwer zu erkennen, das gebe ich zu,
da auf der CD einige Male das Bearbeitete zuerst vorgestellt wird und erst
danach die Originalkomposition. Ich nehme mir immer einen kleinen Teil der
musikalischen Information aus dem Originalstück. Bei ›Twin Palms‹
sind das nur sechs oder sieben Noten, die ich in eine andere Richtung entwickelt
habe. In diesem Stück ist es eindeutig, weil es die Melodie ist. In anderen
Stücken sind es oft nicht so prominente Teile. Für ›The Haunt‹
habe ich eine Passage aus dem B-Teil gewählt, da müsste man schon
sehr gründlich suchen, um die im Original wiederzuentdecken. Wegen mir
muss man das aber auch gar nicht finden. Es war mir klar, dass es unter Umständen
nicht immer leicht verständlich ist. Wäre der Querverweis mit den
Titeln nicht, würde es mir als Hörer vermutlich auch so gehen, dass
ihm der Zusammenhang der Stücke verborgen bliebe. Bei einem Blindfold-Test
hätte ich sicher Schwierigkeiten …«
Arbeitsweisen
Die Kompositionen des Tenoristen, Bassklarinettisten und Flötisten Hacker
entstanden meist wie in einem Guss, entwickelten sich aus einem Nukleus heraus.
»Ich habe oft einen Anfang, der feststeht«, erklärt der Komponist.
»Wohin es allerdings geht, weiß ich selber erst am Schluss. Ich
hoffe, dass die Stimmung eine Art Fluss hat, die sich durch die Platte zieht.«
Dass die Originalkompositionen stets in klassischer Quartettbesetzung gespielt
werden, die Dekonstruktionen dagegen immer mit den Streichern, macht deutlich,
was man jeweils vor Ohren hat. »Hacker: »Die verschiedenen Klangfarben
waren auch eine Möglichkeit, um auf die Minimal Music hinzuweisen. Ich
wollte mit Wiederholungen arbeiten, und es ist ja schon ein Riesen-Unterschied,
ob man viel improvisiert oder ob alles ausgeschrieben ist. Alles wird etwas
gleichförmiger und weniger dynamisch als mit einer Jazzbesetzung. Wie
ich meine Dekonstruktionen mit Jazzband umsetzen sollte, war mir unklar, da
Kontrabass und Schlagzeug nicht passten.«
Den Einsatz von Streichern aber kannte Max Hacker von Minimal-Music-Komponisten,
mit deren Arbeitsweisen er sich in den letzten Jahren intensiv beschäftigt
hat. So spielte er im Ensemble Redux Orchestra des Komponisten Ari Benjamin
Meyers. Dass Minimal Music so gut mit Jazz Hand in Hand geht, obwohl gerade
das Spontane, Impulsive des Jazz der starren Struktur der Minimal Music konträr
gegenübersteht, wundert Max Hacker nicht: »Ich schätze beide
Musikstile sehr. Offensichtlich ist die Minimal Music tief in mein musikalisches
Unterbewusstsein gerutscht. Jazz und Minimal Music haben für mich eine
vergleichbare Art von Trance. Viele Aspekte des Jazz kommen aus der afrikanischen
Kultur, und das Sich-in-Trance-Musizieren kommt sowohl im Jazz als auch in
der Minimal Music vor. Im Jazz gibt es das Lead Sheet als Grundlage und danach
geht es los, während bei der Minimal Music alles ausnotiert ist - aber
im Fluss sind beide Musikrichtungen.«
Bleibt noch die Frage, wie dieses Konzept in der Live-Situation umsetzbar
sein wird, in der beide Spielarten naturgemäß eine weitere Dimension
hinzugewinnen. Max Hacker seufzt: »Das Projekt live auf die Bühne
zu bringen, wäre schön, aber es ist momentan nichts in Arbeit. Das
ist schwierig, schon mit meinem Quartett nicht einfach. Ich möchte nur
spielen, wenn die Bedingungen stimmen, aber das tun sie sehr selten. Ich werde
niemals meinen Musikern zumuten wollen, in Stuttgart auf Eintritt zu spielen.
Momentan ist noch nichts in der Pipeline, und ein Konzert mit den Streichern
zusammen zu organisieren, ist natürlich mit viel Arbeit verbunden.«
Hoffentlich wenden sich die Vorzeichen zum Besseren, denn sowohl Konzept als
auch die Umsetzung sind originell, die Band ist heiß, und die Kompositionen
wie auch der Saxofonsound von Max Hacker verdienen es, live gehört zu
werden.
Jazzthing 75 von Martin Laurentius
Mutig, mutig: nach seinem viel beachteten Debüt „Who The Heck Is Max Hacker?“, auf dem der Saxofonist Max Hacker mit „klassischem“ Jazzquartett seine Sicht auf zeitgenössische improvisierte Musik bot, folgt nun die zweite CD dieses Holzbläsers, die den schlichten, aber erklärenden Titel „Deconstructing Max Hacker“ (In&Out/in-akustik) trägt. Mutig, weil er Kompositionsprinzipien der Minimal Music in seinen musikalische Kosmos integriert – mutig aber auch deshalb, weil er seinen Jazzoriginalen Dekonstruktionen gegenüberstellt. „Ja, ich habe ausschließlich meine eigenen Jazzstücke genommen, um diese zu dekonstruieren“, erklärt der junge Berliner ganz abgeklärt. „Für mich war diese Vorgehensweise deshalb interessant, weil sich beide Versionen in einer gewissen Weise ergänzen. Die Fragmente, die ich in der Dekonstruktion aus dem Original herausarbeitete, sind stets die Saat für etwas Neues. Konkret haben Original und Dekonstruktion oft nichts miteinander gemein. Dennoch sind sie auf abstrakte Art und Weise ineinander verwoben.“ Abstrakt ist das Stichwort, um Hackers Arbeitsweise auf „Deconstructing Max Hacker“ zu begreifen. Mal ist es ein konkretes Element aus seinen Jazzstücken – ein Melodiekürzel etwa oder ein Basslauf -, mal eine atmosphärische, emotionale Komponente, die Grundlage ist für die dekonstruierten Parts, in denen er seine eigene Musik weiterentwickelt und verarbeitet. Diese „Deconstructed“-Parts wurden von einem Streichtrio und den Musikern seines Quartetts eingespielt – mit Hacker ausschließlich auf Bassklarinette und Altquerflöte. „Die Dekonstruktionen sind komplett ausnotiert. Bis auf kurze Kadenzen, über die jeder improvisiert bzw. ein Feature bekommt. Nur ich nicht, ich spiele kein einziges Solo, weil ich ganz in den Klang einzutauchen versuche.“ Zwischen den Welten? Nicht Max Hacker: „Minimal Music ist im Laufe der Zeit gleichsam in mich hineingekrochen. Mit dem Ergebnis, dass ich auch beim Komponieren das, was in meinem Innern zugange ist ans Tageslicht befördere. Aber ob ich nun improvisiere oder komponiere, immer kommt mein musikalisches Unterbewusstsein an die Oberfläche.“
Jazzthing (01/06) von Ssirus W. Pakzad
Ja, wer ist das denn nun, dieser Max Hacker? Wenn alles richtig läuft, erübrigt sich das Nachfragen bald. Denn der Name gehört einem jungen Berliner Saxophonisten, der das Zeug dazu hat, sich in die erste Liga deutscher Jazzmusiker zu spielen. Gleich im ersten Titel dieses außerordentlichen Debüts spürt man, dass da einer in sich ruht, dass da einer ist, der sich nicht dem Druck der Beweisnot aussetzt und der genau weiß, was er da macht. Max Hacker, der auch Sopransax und Bassklarinette spielt, besitzt am Tenor einen runden, vielschichtigen, weichen Ton, der einem viel zu erzählen weiß. Dabei stört es nicht einmal, dass es oft Abwandlungen von Joe Hendersons Formulierungen sind, die da aus dem Hackerschen Trichter steigen. Mit dem Pianisten Tino Derado, dem Bassisten Paul Imm und dem Schlagzeuger Heinrich Köbberling harmoniert der 33-jährige in jeder Gangart, jedem Stimmungsbild und auch in so ungewöhnlichen Titeln wie der kleinen Philip-Glass-Hommage "PeeGee". Kann sein, dass man sich bald mächtig blamiert, wenn man sich als vermeintlicher Jazzkenner die Frage gefallen lassen muss: "Was, du kennst Max Hacker nicht"
Jazzpodium (04/06) "Max Hacker - Den Jazz-Code geknackt" von Volker Doberstein
Selbstironie
ist ein ziemlich vornehmes Wort für den Kalauer, mit dem Max Hacker sein wunderbares
Debüt als Solo-Künstler betitelt. Denn „Who The Heck Is Max Hacker“ kokettiert
munter mit dem Smokie-Cover und mallorquinischen Bierzelt-Kracher „Who The
Fuck Is Alice“. Und um alle Kraftausdrücke geballt abzuarbeiten, sei hier
gleich noch erwähnt, dass Richie Beirach, einer seiner Lehrer, Hacker ungeniert
als „Motherfucker“ Bezeichnet. Doch spätestens seit Miles Davis ist dieses
Wort ja aus der Schmuddelecke geholt und in den Stand eines Jazz-Fachbegriffs
erhoben worden.Jedenfalls hat der Berliner Saxophonist Max Hacker mit seiner
spektakulären Titelgebung bewiesen, dass er um die bisweilen doch recht derben
Mechanismen weiß, mit denen man im immer verschachtelter werdenden Musikbetrieb
für Aufmerksamkeit sorgen kann. Sie einzulösen ist die Verpflichtung, der
man sich danach stellen muss. Und das ist Max Hacker mit seinen drei exzellenten
Mitmusikern Tino Derado, Piano, Paul Imm, Bass, und Heinrich Köbberling, Schlagzeug,
meisterhaft gelungen.
Sein Album ist eine überaus reife Mischung aus Originals und Standards von
Billy Strayhorn. Sich eine solche Referenzgröße zum Maßstab für die eigenen
Kompositionen zu wählen, ist mutig. Und es hat sich gelohnt: Ob „PeeGee“,
die ungewöhnlicherweise im Up-Tempo gehaltene Hommage an Philip Glass, Balladen
wie „Sleep Is A Rose“ oder aus dem Geiste des Mainstream entwickelte, Max
Hacker ist hier etwas bemerkenswertes gelungen. Wiewohl als bunter Stilmix
angelegt, klingt das Album aufgrund der bereits sehr hoch entwickelten eigenen
Klangsprache Hackers ausgesprochen homogen. Max Hacker leiht sich dabei die
eine oder andere Phrasierung von Joe Henderson oder John Coltrane, doch belässt
er es nicht bei Zitaten, sondern formuliert sie so behutsam um, dass sie sich
nahtlos in den eigenen Klangkosmos einfügen. Sein Sound ist unaufgeregt souverän,
ohne artistische Demonstrationen, frisch, klar und hinsichtlich der anderen
Instrumente überaus integrativ. Alle samt Attribute, die eher auf einen Altersstil
verweisen als auf einen „jungen Wilden“. Die Gründe hierfür liegen wohl darin,
dass schneller lernt, wer die Fähigkeit beherrscht, möglichst viel Anregungen
und Anstöße uneitel und spontan wertend in sich aufzusaugen. Und genau das
scheint ein der Biographie Hackers eingeschriebenes Prinzip zu sein.
Aufgewachsen in einer Westberliner Künstlerfamilie und kulturell Geprägt durch
den Besuch einer deutsch-amerikanischen Gemeinschaftsschule, entdeckte Max
Hacker mit fünfzehn den Jazz für sich, um vier Jahre später nach New York
zu fliegen und dort für die nächsten fünf Jahre zu leben und studieren: an
der renommierten New School und bei namhaften Lehrern wir Richie Beirach,
Reggie Workman oder Buster Williams. Nicht zuletzt infolge der Schwierigkeit,
sich in einer bis zum bersten überreichen Szene als Musiker durchzusetzen
und seinen Lebensunterhalt zu verdienen, kehrte dem großen Apfel wieder den
Rücken. Über seine Rückkehr nach Berlin schreibt Max Hacker auf seiner Homepage,
wiederum voller Selbstironie im Stiel eines Erlebnisaufsatzes: „Also fand
ich mich im April ´97 am Flughafen Tegel wieder, die Instrumentenkoffer waren
mehr, das Geld deutlich weniger geworden. Aber wie sich bald herausstellte,
bot diese Stadt einem neu angekommenen Musiker durchaus die Möglichkeit, sich
über Wasser zu halten. Die Szene, die ich früher immer als klein und von Vetternwirtschaft
geprägt empfunden hatte, war in meinen Augen eine dynamische, den Neuen aufgeschlossen
Szene geworden.“
In dieser Szene und zuletzt zunehmend darüber hinaus hat sich Max Hacker inzwischen
durchgesetzt – und das nicht nur als Jazzmusiker. Mit der unkonventionellen
Klezmer-Formation „Di Grine Kuzine“ zum Beispiel, die sich mehr und
mehr weltmusikalischen Einflüssen von Balkan über Jazz bis Ska geöffnet hat,
zählt der vielseitige Hacker zu den vitalsten Live-Acts der Hauptstadt. Bisheriger
Höhepunkt seines Schaffens jedoch ist die aktuelle Veröffentlichung
unter eigenem Namen: mit „Who The Heck Is Max Hacker“ hat der dreiunddreißig-jährige
Berliner Saxophonist aus der Tradition des Jazz überaus konsequent seine eigenen
Vorstellungen entwickelt und beeindruckend klar formuliert. Oder wie es große
Richie Beirach formuliert: „What a pleasant surprise! A CD of new music! No
Gimicks, no concept, not world music!“ Das alles klingt wirklich, als hätte
Max Hacker – der Name scheint wohl Verpflichtung – den Jazz-Code
geknackt. Wir warten gespannt, was er aus den gewonnenen Informationen in
Zukunft noch machen wird.
Jazzzeit (03,04/06) von Ralf bei der Kellen
Mit seinem Debüt als Leader hat der Berliner Tenorsaxofonist Max Hacker ein Album abgeliefert, das nicht vorgibt, etwas Besonderes zu sein. Und eben das ist das Besondere, denn nach aufgevampten Standards und anderen erzwungenen Innovationen sucht man hier gottlob vergebens. Hacker begnügt sich vielmehr damit ungekünstelten Quartettjazz zu liefern. Im Ton erinnert er zwar immer wieder an den lyrischen Coltrane der späten 50er, was Hacker aber in keinem Moment zu kaschieren sucht. Dadurch bleibt seine Musik angenehm unverkrampft. Und es kommt noch besser: Meint man beim ersten Hören noch, das Gros der Songs irgendwie zu kennen, wird man durch den Blick aufs Cover eines Besseren belehrt: Lediglich drei der neun Songs sind Bearbeitungen von Billy Strayhorn-Kompositionen, der Rest stammt aus der Feder des jungen Berliners. Max Hacker ist wieder mal ein Beweis, dass das Jazzidiom, so abgenudelt es auch sein mag, noch lange nicht erschöpft ist.
Jazzdimensions von Hans Herrmann (www.jazzdimensions.de)
Das
Album wurde an zwei Tagen im September 2004 eingespielt und einen knappen
Monat später abgemischt: Das Debut-Album von Max Hacker benötigte
von der Idee bis zur Fertigstellung lediglich eine Arbeitswoche. Dies zeugt
von der optimalen Chemie des Quartetts, das sich hier gefunden hat –
Hacker selbst am Saxophon, Tino Derado (Piano), Paul Imm (Bass) und Heinrich
Köbberling an den Drums.
Die lobenden Linernotes zum Albums stammen von Richie Beirach, Hackers begeistertem
Dozenten an der New School, New York. Der Pianist Beirach spielte schon mit
Größen wie Dave Liebman und John Abercrombie, was die Erwartung
an das Debut natürlich gleich hoch ansetzt. Drei Tracks stammen aus der
Feder von Billy Strayhorn – diese Klassiker sind sehr kreativ adaptiert.
Die restlichen sechs Stücke sind Eigenkompositionen Hackers, die allesamt
von einer reifen musikalischen Sprache und von inspirierter Improvisisation
zeugen.
Die Stücke sind so unterschiedlich, wie man sich vorstellen könnte
und trotzdem wirkt alles aus einem Guss. Da finden sich langsame und luftige
Stücke, aber auch schnelle und komplexe. Taucht Hacker manchmal mit seinem
Saxophon in Melancholie ein, wird er alsbald von Bass und Drums mit enormem
Drive herausgerissen. Auch das Piano stachelt immer wieder mit quirligem Spiel
an.
Optisch erinnert Max Hacker auf dem Cover mit seinem rotblonden Haar an Robert
Redford: Hier der begnadete Schauspieler, dort dieser junge "Who the
Heck?" – beides Naturtalente und irgendwie kongenial verknüpft...
Jazzthetik (02/06) von Guido Diesing (Doppelrezension mit "My Tree" von Arne Jansen)
Vor ein paar Jahren wären diese
beiden Debütalben vielleicht noch als Beleg dafür bestaunt worden,
dass deutsche Jazzer sich durchaus mit amerikanischen Musikern messen können.
Man hätte die stilistische Souveränität und das technische
Können hervorgehoben, aber bei jedem Lob unausgesprochen mitgedacht:
"Jedenfalls für einen Deutschen." Heut ist so etwas kein Thema
mehr. Auch vor dem Jazz macht die Globalisierung nicht halt (um den Begriff
wenigstens einmal in einem positiven Kontext zu gebrauchen), und die Jazzausbildung
in Berlin (wo Arne Jansen die Universität der Künste besucht hat)
führt zu ebenso überzeugenden Ergebnissen wie die in New York (wo
Max Hacker an der New School studiert hat).
(...)
Gleiches gilt für Max Hacker, der mit dem Titel seines Debüts eine
Frage stellt, die er auch gleich musikalisch beantwortet. Er ist ein vielseitiger
Holzbläser mit erstaunlich reifem Ton, deutlichen Anleihen bei Coltrane
und Joe Henderson und gutem Gespür für Spannungsbögen, was
die einzelnen Stücke, aber auch die gesamte CD angeht. Die besteht zu
zwei Dritteln aus Eigenkompositionen, ergänzt durch drei Billy-Strayhorn-Bearbeitungen.
Natürlich profitiert auch Hacker von starken Partnern in seinem deutsch-amerikanischen
Quartett, die ihn ebenso Kompetent durch geschmackvolle Balladen ("Sleep
Is A Rose") wie durch flotten Swing ("Graduation") begleiten.
Ungewöhnlichstes Stück der CD ist "PeeGee", in dem Hacker
Minimal-Anklänge einer Hommage an Philp Glass mit energiegeladenem Jazz
verbindet und seine Erfahrungen mit dem Redux Orchestra verarbeitet. Wie auch
Arne Jansens "My Tree" ist Max Hackers Erstling ein sympathisch
persönliches Statement, dass nicht nach Moden schielt. Richie Beirach
bringt es in seinem Liner Notes füe seinen ehemaligen Studenten auf den
Punkt: "What a pleasant surprise! A CD of new music! No gimmicks, no
concept, not world music!" Und auch in den Staaten hat man inzwischen
gemerkt, dass dabei die Herkunft völlig irrelevant ist, wie Beirach abschließend
betont, wenn er die Band als "very good German and American (what´s
the difference?) jazz players" empfiehlt.
Online Musik
Magazin "Dumme Frage - beeindruckend klare Antwort" von Frank Becker
Einen "verdammten Scheißkerl" (ich versage mir hier den US-
O-Ton) nannte ihn der Pianist Richie Beirach anerkennend, einer seiner Lehrer
neben u.a. dem Tenorsaxophonisten Billy Harper, dem Pianisten Hal Galper,
dem Gitarristen Jim Hall und dem Bassisten Reggie Workman. Ich tendiere eher
dazu, Max Hacker als einen kultivierten, ideenreichen, disziplinierten, technisch
versierten und sehr kreativen Saxophonisten zu bezeichnen, einen mit 32 noch
jungen Jazzer, der nach gediegener New Yorker Ausbildung mit viel Inspiration
und Plänen im Gepäck 1997 wieder in seiner Heimatstadt Berlin Fuß
faßte.
Seither hat sich Hacker in unterschiedlichen Formationen und Stilen (Redux
Orchestra, Di Grine Kuzine, The Toughest Tenors) musikalisch vervollkommnet,
nun endlich wagt er sich mit der eigenen Band und seinem Debüt-Album
vor das interessierte und nach neuen Sounds hungrige Publikum. Die mit dem
Titel des Albums gestellte Frage beantwortet sich beim Anhören beeindruckend
klar und simpel: Ein Klasse-Saxophonist mit eben diesem frischen, dennoch
soliden Sound ist Max Hacker und vielversprechend zumal. Seine sechs Eigenkompositionen
können völlig gleichberechtigt neben den von Billy Strayhorn adaptierten
drei Standards "Day Dream", "U.M.M.G." und "Lotus
Blossom" stehen. Mit "Before" eröffnet dieses brillante
Album rhythmisch kühl und gläsern, mit Hacker beflügelt am
Tenorsaxophon und seinen Freunden Tino Derado am Klavier und Heinrich Köbberling
am Schlagzeug, die er schon aus New Yorker Zeiten kennt und dem gleichberechtigt
mit der Gruppe verschmolzenen vorzüglichen Bassisten Paul Imm, der auch
schon mit Till Brönner, Wolfgang Engstfeld und Buggy Braune gespielt
hat.
Verträumt können die vier sein, wie Hackers Komposition "Sleep
Is A Rose" und Strayhorns "Day Dream" in 5/4 zärtlich
belegen, mitreißend dynamisch und temporeich virtuos wie in "Graduation"
und versonnen cool in "U.M.M.G." und "Murray Hill". Jedes
Stück ist eine Delikatesse, Hackers Spiel auf Tenor- und Sopransaxophon
gleichermaßen bestechend wie der Einsatz der Baßklarinette im
sanften "Lotus Blossom". Zum guten Schluß dreht das Quartett
in "Peegee" noch einmal auf und lockt endgültig, die Band einmal
live zu erleben. Ich werde mir bis dahin mit Genuß das Album noch einige
Male anhören.
Stereo (1/06) von Berthold Klostermann
Der da so charmant selbstironisch mit seinem Newcomerstatus kokettiert, ist ein junger Saxofonist (Tenor, Sopran) reifer John-Coltrane-/Joe-Henderson-Schule aus Berlin, der in New York bei dem Top-Pianisten Richie Beirach studierte. Sein Debütalbum dürfte dafür sorgen, dass er kein Nobody bleibt. Als Leader eines Quartetts aus deutschen und amerikanischen Musikern führt Max Hacker sich mit einem halben Dutzend bemerkenswerter eigener Stücke und drei interessant bearbeiteten Billy-Strayhorn-Klassikern (etwa "Day Dream") ein.
Audio (1/06) von Werner Stiefele
Wer verdammt nochmal ist dieser Max Hacker? Er bläst Tenor- und Sopransax und Bassklarinette wie ein ausgebuffter Alter. Seine Melodielinien sind klar, teils kürzelhaft, vom Begleit-Trio mit feinnervig swingendem Puls ergänzt. "Sleep Is A Rose" haucht er mit luftigem Balladenton, und "Graduation" ist packender, temporeicher Mainstream, wie ihn die Neo-Akustiker in New York kultivieren. Dort hat Hacker studiert, bevor er nach Berlin zurückkehrte.
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